Diagnostik bei Atemwegserkrankungen

Im Verlauf chronischer Erkrankungen kann sich eine behandlungsbedürftige respiratorische Insuffizienz entwickeln. Viele Patienten tolerieren Beschwerden lange, bevor sie den Arzt aufsuchen. Eine dezidierte Diagnose unter Berücksichtigung der individuellen Situation des Patienten ist die Grundlage einer wirkungsvollen Therapie.

Der Vielzahl an Erkrankungen, die in ihrem Verlauf zu einer respiratorischen Insuffizienz führen können, liegen unterschiedliche Pathomechanismen zugrunde. Die Diagnostik der Grunderkrankung wird oftmals durch die vorliegende Multimorbidität der Patienten erschwert.

Zur Erkennung einer behandlungsbedürftigen respiratorischen Insuffizienz tragen neben Klinik und anamnestischen Angaben eine Reihe von Methoden der Lungenfunktionsdiagnostik und andere messbare Parameter bei.

Diffusions- oder Ventilationsstörung?

Eine respiratorische Insuffizienz kann durch zwei grundlegende Mechanismen entstehen:

  • Ventilationsstörungen: Störungen/Erkrankungen des „ventilierenden Systems“, also z. B. des Atemzentrums, der Interkostalnerven, der Interkostalmuskeln oder des knöchernen Thorax
  • Diffusionsstörungen: Störungen/Erkrankungen des „gasaustauschenden Systems“, also der Lunge bzw. des Lungenparenchyms

Beide Mechanismen führen zu einer Störung des Gasaustauschs mit Folgen wie Hypoxämie oder Hyperkapnie.

Einteilung der respiratorischen Insuffizienz nach Ursache und Verlauf

Die respiratorische Insuffizienz lässt sich, je nach Ursache, in obstruktive, restriktive und neuromuskuläre Ventilationsstörungen unterteilen. Der zeitliche Verlauf beschreibt die akute und chronische Form. Am häufigsten tritt die chronisch respiratorische Insuffizienz (CRI) u. a. bei der COPD auf. Klinische Zeichen einer CRI können z. B. Luftnot, Husten, Leistungsschwäche und ggf. Zyanose sein. Trommelschlägelfinger und Uhrglasnägel sind erst nach längerem Verlauf zu beobachten.

Untersuchungen bei Verdacht auf respiratorische Insuffizienz

Eine akute respiratorische Insuffizienz ist ein potenziell lebensbedrohlicher Zustand. Insofern fokussiert sich die Diagnostik und Therapie im Akutfall auf Ursachenerkennung und Stabilisierung.
Bei einem chronischen Verlauf kommt neben der qualitativen Abklärung auch eine Quantifizierung der Einschränkung hinzu. Ziel muss immer sein, die Lebensqualität der Betroffenen mit chronischen Atemwegserkrankungen möglichst zu erhalten oder zu verbessern.

Aussagekräftig ist hier neben der Untersuchung der Lungenfunktion, z.B. mittels Spirometrie, Ganzkörperplethysmographie etc., vor allem die Blutgasanalyse.
Anhand der Blutgaswerte sind zu unterscheiden:

  • Störungen, bei denen der Sauerstoffpartialdruck (PaO2) im arteriellen Blut zu niedrig ist, der Kohlendioxidpartialdruck (PaCO2) jedoch noch im Normbereich liegt (respiratorische Partialinsuffizienz)
  • Störungen, bei denen im arteriellen Blut sowohl der PaO2 erniedrigt als auch der PaCO2 erhöht sind (respiratorische Globalinsuffizienz)

Die arterielle Hypoxämie beschreibt einen zu niedrigen Sauerstoffpartialdruck (PaO2). Man sollte dabei beachten, dass der PaO2-Wert altersabhängig ist und Normwerte immer unter der Berücksichtigung des Alters erfolgen sollte. Die Hyperkapnie liegt ab einem Kohlendioxidpartialdruck (PaCO2) > 45 mmHg vor.

Behandlungsoptionen bei respiratorischer Insuffizienz

Die Wahl der geeigneten Behandlungsmethode richtet sich nach der zugrundliegenden Erkrankung, der Art der respiratorischen Insuffizienz und nach den Möglichkeiten und Wünschen des Patienten. Eine pulmonale Insuffizienz kann häufig durch Sauerstoffgabe behandelt werden. Bei der ventilatorischen Insuffizienz ist meist eine Beatmung notwendig.

Quellen

  1. AWMF S2k-Leitlinie „Nichtinvasive und invasive Beatmung als Therapie der chronischen respiratorischen Insuffizienz“ https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/020-008l_S2k_NIV_Nichtinvasive_invasive_Beatumung_Insuffizienz_2017-10.pdf.
  2. Windisch, W. „Respiratorische Insuffizienz: O2 -Gabe oder Beatmung?“ Dtsch Arztebl 2015; 112(9): [28] https://www.aerzteblatt.de/archiv/168379/Respiratorische-Insuffizienz-O-sub-2-sub-Gabe-oder-Beatmung.