Diagnosemöglich­keiten der obstruktiven Schlafapnoe (OSA)

Wird eine obstruktive Schlafapnoe (OSA) rechtzeitig erkannt und behandelt, können Folgeerkrankungen vorgebeugt werden. Deswegen sind eine möglichst frühzeitige Diagnose und eine genaue Differenzierung zwischen primärem Schnarchen und einer obstruktiven Schlafapnoe für den Krankheitsverlauf des Patienten essenziell.

Bei der obstruktiven Schlafapnoe handelt es sich um eine behandlungsbedürftige Erkrankung, die andernfalls schwere Folgeerkrankungen, wie z. B. arterielle Hypertonie oder Herzrhythmusstörungen, mit sich bringen kann. Fast alle Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe schnarchen, allerdings haben nicht alle Schnarcher eine obstruktive Schlafapnoe.[1] Ziel der Diagnostik ist es also, mögliche Hinweise auf eine obstruktive Schlafapnoe zu finden. Primäres Schnarchen ist eine Ausschlussdiagnose.

Kriterien für die obstruktive Schlafapnoe

Bei der obstruktiven Schlafapnoe liegt die Ursache in der Verengung der oberen Atemwege durch Kollaps der Schlundmuskulatur. Davon zu unterscheiden ist die zentrale Schlafapnoe, der ein mangelnder Atemantrieb zugrunde liegt.

Per definitionem spricht man von einer Schlafapnoe, wenn

  • im Schlaf pro Stunde mehr als 5 Atemaussetzer von mindestens 10 Sekunden auftreten, verbunden mit einer entsprechenden klinischen Symptomatik,
  • Hypopnoen mit Reduktion des Atemflusses um > 50 % für mindestens 10 Sekunden auftreten,
  • dies mit Sauerstoffentsättigungen von > 3 % verbunden ist oder
  • es zu Weckreaktionen (Arousals) kommt.

Bei der Schlafapnoe kommt es zu einer pathologischen Abnahme des REM-Schlafs und des Tiefschlafs (fragmentierte Schlafarchitektur). Häufige Weckreaktionen und Hypoxämie erhöhen die Sympathikusaktivität und versetzen damit den Körper in einen chronischen Stresszustand.

Der Weg zur Diagnose einer obstruktiven Schlafapnoe

Die Diagnosestellung der OSA erfolgt in mehreren Schritten:

  1. Eigen- und Fremdanamnese zur Erkennung von Risikopatienten
  2. körperliche Untersuchung zum Ausschluss anatomischer Anomalien
  3. ambulante Screening-Untersuchung, z. B. mittels Polygraphie, auch in häuslicher Umgebung
  4. ggf. weiterführende Diagnostik ambulant oder stationär in einem Schlaflabor mittels Polysomnographie

Fragebögen stützen Anamnese der OSA

An erster Stelle der Diagnostik einer obstruktiven Schlafapnoe stehen die Eigen- und Fremdanamnese. Mithilfe von standardisierten Fragebögen (z. B. STOP-BANG, Epworth Sleepiness Scale, Berlin Questionnaire etc.) werden die Patienten und deren Angehörige nach typischen Symptomen bzw. Folgeerscheinungen einer OSA befragt. Hierzu gehören z. B.:

  • Tagesmüdigkeit/Schläfrigkeit
  • BMI
  • Halsumfang
  • Alter und Geschlecht
  • Atemaussetzer
  • Schnarchen
  • Hypertonie

Liegt einer der genannten Befunde vor, festigt sich der Anfangsverdacht auf eine OSA. Es sollte eine weitere schlafmedizinische Abklärung folgen, um den Verdacht zu überprüfen und den Schweregrad mittels Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) zu bestimmen, der maßgeblich für die Entscheidung zur Therapieeinleitung ist.

Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI): Bestimmung des Schweregrads der OSA

Anhand des Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) lässt sich der Schweregrad der OSA bestimmen.
Dafür summiert man alle Apnoen und Hypopnoen während einer Schlafstunde (Apnoe + Hypopnoe / Schlafstunde). Ab einem Wert von fünf spricht man von einer leichten, ab 15 von einer mittelschweren und ab 30 von einer schweren Form.

SchweregradAHI
Leicht5–15
Mittel15–30
Schwer> 30

Ein AHI über 15 stellt eine medizinische Indikation zur Therapie der OSA dar. Bei einem niedrigeren AHI kann eine Therapie erwogen werden, wenn eine entsprechende Symptomatik beim Patienten vorliegt.

Polygraphie: Diagnostik auch im häuslichen Umfeld

Besteht eine hohe Vortestwahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer obstruktiven Schlafapnoe, können ambulante Polygraphie-Geräte oder mobile Screening-Geräte zur weiterführenden Diagnostik eingesetzt werden.

Nach einer Einweisung können Patienten die mobilen Geräte vor dem Schlafengehen selbstständig anlegen. Im Schlaf werden z. B. folgende Parameter aufgezeichnet:

  • Schnarchgeräusche
  • Atemfluss
  • Atembewegungen von Thorax und Abdomen
  • Körperlage
  • Herzfrequenz
  • Sauerstoffsättigung im Blut

Polysomnographie: die Untersuchung im Schlaflabor

Die Polysomnographie wird normalerweise in einem ambulanten oder stationären Schlaflabor durchgeführt. Sie umfasst neben allen Parametern einer Polygraphie zusätzlich folgende Untersuchungen:

  • Elektroenzephalographie (EEG)
  • Elektrookulographie (EOG)
  • Elektromyographie (EMG)
  • oft Elektrokardiographie (EKG)

Anhand dieser Parameter ist eine individuelle Betrachtung der Tiefe, des Verlaufs und der Qualität des Schlafes des Patienten möglich.

Frühzeitiger Therapiebeginn verhindert schwere Folgen

Über eine Einschränkung der Lebensqualität hinaus, kann die Lebenserwartung von Patienten mit unbehandelter OSA – vor allem aufgrund des erhöhten kardiovaskulären Risikos und der erhöhten Unfallgefahr – deutlich reduziert sein.[1] Die Therapie sollte deshalb möglichst frühzeitig nach Diagnosestellung beginnen.

Eine häufig angewandte Therapiemöglichkeit bei obstruktiver Schlafapnoe ist die Überdrucktherapie mittels CPAP (continuous positive airway pressure). Bei leichter bis mittelgradiger OSA (AHI < 30/h) können individuell angepasste Unterkieferprotrusionsschienen alternativ zur Überdrucktherapie eingesetzt werden.

Quellen

  1. AMWF S3-Leitlinie „Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen“: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/063-001l_S3_SBAS_2017-08_2.pdf [zuletzt besucht am 29.05.2019].