Erkrankungen mit respiratorischer Insuffizienz

Eine Reihe chronischer Erkrankungen unterschiedlichster Genese führen in ihrem Verlauf zu einer Ateminsuffizienz. Von der Sauerstofftherapie bis hin zur invasiven Beatmung können dann unterstützende Maßnahmen notwendig werden. Im Folgenden sollen einige dieser Erkrankungen beispielhaft beschrieben werden.

Unterschiedliche Erkrankungen können zu Einschränkungen der Atmung führen. Ursächlich sind Veränderungen an verschiedenen Strukturen, die die Atmung bewerkstelligen oder an ihr beteiligt sind. Hierzu gehören beispielsweise die Lunge und die Atemwege selbst, Muskeln und Nerven oder knöcherne Strukturen von Brustkorb oder Wirbelsäule.

Zu den häufigsten Erkrankungen mit Sauerstoff- oder Beatmungsbedarf gehören z. B.:

  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
  • Obesitas-Hypoventilationssyndrom (OHS)
  • neuromuskuläre Erkrankungen
  • restriktive Lungenerkrankungen
  • Querschnittlähmung
  • angeborene Erkrankungen und Fehlbildungen

Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)

Von COPD sind nach Schätzungen der WHO weltweit rund 251 Millionen Menschen betroffen[1]. Im Jahr 2030 könnte die Erkrankung die dritthäufigste Todesursache weltweit sein[2]. Die COPD ist eine chronisch-progredient verlaufende Erkrankung, die mit einer Atemwegsobstruktion einhergeht. Dieser liegt eine chronische Entzündung (z. B. durch das Einatmen von Zigarettenrauch) der Atemwege zugrunde, was zu einer vermehrten Produktion von Schleim und zum Anschwellen der Bronchialschleimhaut führt. Durch die chronische Entzündung kann es nach und nach zu einem Umbau des Lungenparenchyms kommen. Ein effektiver Gasaustausch ist in einer derart geschädigten Lunge nur noch eingeschränkt möglich.

Die COPD ist gekennzeichnet durch die typische (AHA)-Symptomatik. Diese ist gekennzeichnet durch:

  • A – Auswurf
  • H – Husten
  • A – Atemnot

Die Schwere der Symptome nimmt im Krankheitsverlauf zu. Die Schädigung des Lungengewebes ist irreversibel. Nach der Diagnose ist das oberste Ziel im Hinblick auf die Therapiemaßnahmen die Progression der Erkrankung zu verlangsamen.

Obesitas-Hypoventilationssyndrom (OHS)

Bekannt ist das OHS auch unter den Namen „Adipositas-Hypoventilationssyndrom“ oder „Pickwick-Syndrom“. Adipositas (oder Synonym Obesitas) ist definiert als ein Body-Mass-Index (BMI) über 30 kg/m² Körperoberfläche. Das vermehrte Fettgewebe im Bauch-, Brust- und Halsbereich umgibt die Lunge und das Zwerchfell und erschwert durch Kompression die Belüftung der Lunge. Die Atemmuskulatur erschöpft sich dabei, gegen den hohen Widerstand anzuarbeiten. Die Atmung wird flacher und langsamer (Hypoventilation). Im Liegen wird das Zwerchfell – und damit die Lunge – zusätzlich durch das Bauchfettgewebe komprimiert.

Symptome und Folgen des Obesitas-Hypoventilationssyndroms (OHS)

Die mangelnde Entfaltungsfähigkeit der Lunge führt zu einer Beeinträchtigung des Gasaustausches. Das OHS ist häufig vergesellschaftet mit einer Herzinsuffizienz.

Häufige Symptome des OHS sind z. B.:

  • ausgeprägte Tagesmüdigkeit
  • Kurzatmigkeit
  • morgendlicher Kopfschmerz
  • depressive Verstimmung

Ein Großteil der OHS-Patienten leiden auch an einer obstruktiven Schlafapnoe (OSA) und deren Folgeerkrankungen, wie z. B. Hypertonie und einem erhöhten Risiko für Apoplex und Myokardinfarkt.

Neuromuskuläre Erkrankungen

Zur Gruppe der neuromuskulären Erkrankungen gehören ca. 800 verschiedene Krankheitsbilder. Sie betreffen entweder die Muskel- bzw. Nervenzellen selbst oder die neuromuskuläre Synapse. Eine häufige Folge ist Muskelschwund, von dem auch die Atemmuskulatur betroffen sein kann. Zu diesen Erkrankungen zählen beispielsweise:

  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
  • Muskeldystrophie Duchenne (DMD)
  • andere genetisch bedingte Erkrankungen, wie z. B. Gliedergürteldystrophie oder myotone Dystrophie

Restriktive Lungenerkrankungen

Bei dieser Erkrankungsgruppe ist die Atemtätigkeit dadurch eingeschränkt, dass sich die Lunge nicht ausreichend entfalten kann. Dies führt zu einer restriktiven Ventilationsstörung und kann z. B. der Fall sein bei:

  • Deformation des Brustkorbes, wie z. B. bei Skoliose oder entzündlich rheumatischen Erkrankungen
  • Lungenfibrose
  • Pleuraverwachsungen

Je nach Grunderkrankung und deren Ausprägung können die Symptome sehr unterschiedlich sein. Häufig zeigen sich typische Symptome der ventilatorischen Insuffizienz bzw. eine Einschränkung der Lebensqualität. Wichtigstes Kriterium für die Indikationsstellung zur Beatmungstherapie ist die chronische Hyperkapnie.

Querschnittlähmung

Bei einer Querschnittlähmung kann – abhängig von Höhe der Läsion – die Innervation der Atemmuskulatur teilweise oder vollständig beeinträchtigt sein. Entwickelt sich eine protrahierte ventilatorische Insuffizienz mit Hyperkapnie und gestörter Sekretclearance, kann eine Beatmung des Patienten erforderlich werden.

Beatmungspflichtige Erkrankungen im Kindesalter

Kinder nehmen bei den beatmungspflichtigen Erkrankungen eine Sonderstellung ein. Die jungen Patienten und ihre Angehörigen stehen vor besonderen Herausforderungen, sowohl medizinisch als auch emotional.

Zu Erkrankungen mit Beatmungsbedarf bei Kindern gehören z. B.

  • angeborene Stoffwechselerkrankungen, wie z. B. Mukoviszidose
  • Deformationen des Brustkorbes, z. B. bei ausgeprägter Skoliose
  • neuromuskuläre Erkrankungen, wie z. B. Muskeldystrophie Duchenne
  • andere angeborene Erkrankungen und Syndrome, die je nach Schwere der Ausprägung zu einer Atemstörung führen können (z. B. Prader-Willi-Syndrom, Achondroplasie oder Pierre-Robin-Sequenz).

Unterstützende Beatmungstherapie für Erwachsene und Kinder

Im Verlauf aller o.g. Erkrankungen kann es sein, dass Spontanatmung und Gasaustausch in der Lunge zunehmend eingeschränkt werden. Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten der unterstützenden Therapie, die von der Sauerstofftherapie bis hin zur invasiven Beatmungstherapie reichen kann.

Quellen

  1. Website der Weltgesundheitsorganisation WHO „COPD“: https://www.who.int/en/news-room/fact-sheets/detail/chronic-obstructive-pulmonary-disease-(copd) [zuletzt besucht am 22.05.2019].
  2. Weltgesundheitsorganisation WHO: https://www.who.int/respiratory/copd/en/ [zuletzt besucht am 22.05.2019].
  3. S3-Leitlinie „Nichtinvasive Beatmung als Therapie der akuten respiratorischen Insuffizienz“: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/020-004l_Nichtinvasive_Beatmung_ARI_2015-09-verlaengert.pdf [zuletzt besucht am 02.08.2019].
  4. S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD)“: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/020-006l_S2k_COPD_chronisch-obstruktive-Lungenerkrankung_2018-01.pdf [zuletzt besucht am 22.05.2019].