Schnarchen – in seiner primären Form eine Ausschluss­diagnose

Häufig, lästig, aber harmlos. So ließe sich Schnarchen im Volksmund vielleicht am einfachsten beschreiben. „Harmlos“ gilt jedoch nur dann, wenn es sich um primäres (syn. habituelles oder einfaches Schnarchen) handelt. Um von primärem Schnarchen sprechen zu können, müssen ggf. zugrundeliegende schlafbezogene Atmungsstörungen sorgfältig ausgeschlossen werden.

Wie der restliche Körper, so entspannt sich auch die dilatatorische Muskulatur im Schlundbereich während des Schlafs, wodurch sich die Atemwege verengen. Es kann zur Vibration von Weichteilstrukturen kommen, die sich im Schnarchen äußert. Sowohl die Erschlaffung der Atemwege als auch die Vibration können durch verschiedene Faktoren begünstigt und verstärkt werden. Zu diesen gehören beispielsweise:

  • Höheres Lebensalter
  • Männliches Geschlecht
  • Übergewicht
  • Anatomische Anomalien, wie z. B. Polyposis nasi oder Tonsillenhyperplasie
Wussten Sie schon, …
… dass Frauen (vor allem vor der Menopause) weniger schnarchen als Männer? Grund dafür ist das Östrogen, das seinerseits die Serotoninkonzentration im Blut steuert. Serotonin strafft das Gewebe und erhöht den Muskeltonus – auch im Rachen.[2]

Schnarchen: ausführliche Anamnese essenziell

An erster Stelle steht die Befragung des Betroffenen – und wenn möglich des Bettpartners – zu Häufigkeit, Regelmäßigkeit des Schnarchens, Auftreten im Zusammenhang mit besonderen äußeren Umständen, wie z. B. Alkoholgenuss etc. An dieser Stelle sollten auch bereits Hinweise auf das Vorliegen einer Schlafapnoe, v. a. nächtliche Atemaussetzer, Tagesmüdigkeit und Konzentrationsschwäche, eruiert werden.

Klinische Untersuchung

Die klinische Untersuchung der strömungsrelevanten Strukturen in Nase und Mund, des Kiefers und des Larynx, Oro- und Hypopharynx hat zum Ziel ggf. Veränderungen zu identifizieren, die für die Entstehung von Schnarchgeräuschen oder Obstruktionen der oberen Atemwege verantwortlich sind.

Schlafmedizinische Untersuchung bei Schnarchern

Zum Ausschluss schlafbezogener Atmungsstörungen (SBAS) wie obstruktive oder zentrale Schlafapnoe, die sehr häufig mit Schnarchen assoziiert sind und schwerwiegende Folgeerkrankungen mit sich bringen können, sollten die eigen- bzw. fremdanamnestisch erhobenen Befunde durch eine schlafmedizinische Untersuchung (Polygraphie und ggf. Polysomnographie) verifiziert werden.

Therapiemöglichkeiten des primären Schnarchens

Einfaches Schnarchen gilt derzeit als gesundheitlich unbedenklich. Eine Behandlung ist aus medizinischer Sicht nicht indiziert. Jedoch ist die persönliche und soziale Komponente des störenden Phänomens nicht zu unterschätzen. Besteht hoher Leidensdruck und wünscht der Patient dies, so erfolgt – nach Ausschluss einer SBAS – die Behandlung entsprechend der zugrundeliegenden Ursachen. Dies kann von Verhaltensänderungen im Sinne der Schlafhygiene über unterstützende Maßnahmen bis hin zu operativen Eingriffen, wie z. B. Concho- oder Tonsillotomie, reichen.

Unterkieferprotrusionsschiene hält Atemwege offen

Mit einer maßgefertigten Unterkieferprotrusionsschiene (UKPS) kann ggf. eine Verbesserung des Schnarchens erreicht werden.[1] Die Schiene schiebt den Unterkiefer nach vorn und hält ihn in leichter Protrusion. Dies bringt Zug auf Schlund und Zungengrund und unterstützt so das Offenbleiben der Atemwege im Schlaf.

Den Therapieerfolg der UKPS regelmäßig überprüfen

Überprüfen Sie in regelmäßigen Abständen, ob die Unterkieferprotrusionsschiene noch optimal sitzt und der Patient mit der Anwendung gut zurechtkommt. Bedenken Sie auch die Möglichkeit der Progression vom einfachen Schnarchen zu einer schlafbezogenen Atmungsstörung und klären Sie Ihre Patienten über erste Anzeichen dafür auf.

Quellen

  1. AWMF-Leitlinien: S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Schnarchens des Erwachsenen“ https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/017-068.html [zuletzt besucht am 15.05.2019].
  2. HNO-Ärzte im Netz: https://www.hno-aerzte-im-netz.de/krankheiten/schnarchen-schlafapnoe/definition-und-haeufigkeit.html [zuletzt besucht am 15.05.2019].