Ursachen und Folgen von Schnarchen und nächtlichen Atemaussetzern

Schnarchen ist ein weit verbreitetes Phänomen. In jedem Fall störend für die Betroffenen und ihre Angehörigen, kann Schnarchen auch belastend für den Organismus sein – spätestens dann, wenn nächtliche Atemaussetzer hinzukommen. Was sind die Ursachen dieser Atmungsstörungen und was können die Folgen sein?

Schnarchen ist häufig. So häufig, dass man es gewissermaßen schon als „normal“ betrachtet. Zwar als lästiges Übel, das man vor allem älteren Männern zuschreibt, aber das wohl irgendwie dazugehört.

Tatsächlich wird Schnarchen mit zunehmendem Alter häufiger und in der Tat sind es mehr Männer als Frauen, die betroffen sind. Allerdings kann Schnarchen mehr sein als etwas, das man „eben hinnimmt“. Gesundheitlich riskant ist Schnarchen häufig nicht. Spätestens, wenn der eigene Schlaf oder der des Partners nachhaltig durch das Schnarchen gestört wird, ist es aber an der Zeit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Kommen zur nächtlichen Störung auch noch Beeinträchtigungen am Folgetag, wie z. B. Müdigkeit und Konzentrationsschwäche, hinzu, sollte in jedem Fall abgeklärt werden, was die Ursachen der Atmungsstörung sind.

Enge in den Atemwegen – das sind die Ursachen von Schnarchen

Verengte Atemwege führen zu einer verminderten Luftzufuhr und zu Vibrationen im Rachenraum, die die typischen Schnarchgeräusche erzeugen.

Die Ursachen für eine Verengung der Atemwege können vielfältig sein:

  • vorübergehende Ursachen, wie z. B. geschwollene Schleimhäute bei Erkältungen oder Allergien
  • durch den Lebensstil bedingte Gründe wie Übergewicht und Alkoholgenuss
  • ungünstige anatomische Bedingungen wie Kiefer- und Gaumensegelanomalien oder vergrößerte Nasenmuscheln

Hinzu kommt, dass im Schlaf die Muskelspannung (Tonus) generell nachlässt. Dies gilt auch für die Muskulatur im Gaumen- und Rachenbereich, deren Erschlaffung ebenfalls eine Verengung der Atemwege bewirkt.

Letzteres kann unter Umständen sogar zu einem zeitweisen Verschluss der Atemwege und damit zu nächtlichen Atemaussetzern führen. Diese sogenannte Schlafapnoe kann zum Teil schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben und ist in jedem Fall abklärungs- und behandlungsbedürftig.

Obstruktive Schlafapnoe (OSA): Kollaps im Rachenraum

„Apnoe“ kommt aus dem Altgriechischen und heißt übersetzt so viel wie „Windstille“. Bekannt ist der Begriff vor allem aus dem Tauchsport. Während ein Freitaucher freiwillig so lange wie möglich den Atem anhält, kommt es bei der Schlafapnoe im Schlaf zu einem unbeabsichtigten teilweisen oder vollständigen Verschluss der oberen Atemwege. Man spricht deshalb auch von einer obstruktiven Schlafapnoe (aus dem Lateinischen: obstruere = verschließen).

Die Atemstillstände können mehr als 90 Sekunden andauern und häufiger als 30 Mal pro Stunde auftreten. Abzugrenzen ist die häufigere obstruktive Schlafapnoe (OSA) von der sogenannten zentralen Schlafapnoe. Bei letzterer ist der Atemantrieb gestört, ohne dass es zu einem Atemwegsverschluss kommt. In vielen Fällen handelt es sich bei einer Schlafapnoe auch um eine Kombination von obstruktiver und zentraler Schlafapnoe.

Folgen der Atemaussetzer

Durch den Verschluss der Atemwege kommt es zu Sauerstoffmangel und zu einem Anstieg des Kohlendioxidgehalts im Blut. Der Puls verlangsamt sich. Dieser Zustand bedeutet „Alarm“ für das Atemzentrum im Gehirn und bewirkt eine Weckreaktion (Arousal). Das Gehirn gibt dem Körper den Befehl zum verstärkten Atmen und zur Erhöhung von Blutdruck, Herzfrequenz und Muskelspannung.

Dadurch öffnen sich die Atemwege wieder. Auf eine Atempause folgen typischerweise unregelmäßiges, lautes Schnarchen und außergewöhnlich tiefe Atemzüge, um die Blutgase (Sauerstoff und Kohlendioxid) zu normalisieren.

Möglicherweise werden die wiederholten Weckreaktionen vom Schlafenden gar nicht bewusst wahrgenommen, dennoch beeinträchtigen sie seine Schlafqualität und verhindern erholsame Tief- bzw. Traumschlafphasen. Auf Dauer kann dies negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Patienten mit nächtlichen Atemaussetzern fühlen sich tagsüber oft müde und erschöpft und haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren. Weitere Folgen können z. B. Schwindel und Kopfschmerzen sowie eine eingeschränkte Gedächtnisleistung sein. Aber auch depressive Verstimmungen und Angstzustände können bei einer obstruktiven Schlafapnoe auftreten.

Nächtliche Atemaussetzer belasten Ihr Herz

Atempausen führen zu einem Sauerstoffmangel, den das Herz durch eine höhere Schlagfrequenz auszugleichen versucht. In der Lunge führt der Sauerstoffmangel zu Veränderungen an den kleinsten Gefäßen. Der Widerstand, gegen den das Herz anpumpen muss, wird so vergrößert und belastet dieses zusätzlich. Die Hälfte der Patienten mit Schlafapnoe leidet unter erhöhtem Blutdruck oder Herzrhythmusstörungen. Das hat zur Folge, dass das Herzinfarktrisiko der Betroffenen um ca. 30 % erhöht ist.[2]

Erhöhtes Risiko für Schlaganfall und Unfälle

Die Gefahr einen Schlaganfall zu erleiden ist bei Apnoikern siebenmal höher als bei Gesunden. Aufgrund von Müdigkeit und Konzentrationsschwäche erleiden Menschen mit nächtlichen Atempausen häufiger Unfälle.[5] Neben einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ II), kann außerdem das Sexualleben beeinträchtigt sein. Auch Libidoverlust und Erektionsstörungen finden sich häufig bei Patienten mit Schlafapnoe.[2]

Nächtliche Atemaussetzer sollten Sie immer behandeln lassen

Aufgrund der möglichen Folgeerkrankungen ist die Schlafapnoe eine Erkrankung, die in jedem Fall behandelt werden sollte. Auch lässt sich die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen mit geeigneten Therapiemaßnahmen erheblich verbessern. Wird eine Schlafapnoe erkannt und behandelt, ist die Prognose in der Regel gut.

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Schnarchen Sie „nur“ oder haben Sie Schlafapnoe?

Nun fragen Sie sich vielleicht, was von dem Gelesenen auf Sie zutrifft, und wie Sie weiter vorgehen sollen.

Zunächst gilt: Nicht jeder „Schnarcher“ hat eine Schlafapnoe, aber beinahe jeder, der eine Schlafapnoe hat, schnarcht. In vielen Fällen entwickelt sich über die Jahre aus einfachem Schnarchen eine Schlafapnoe.

Schlafapnoe-Selbsttest als Basis für das Arztgespräch

Um sich selbst besser einschätzen zu können, bietet Ihnen der Selbsttest erste konkrete Anhaltspunkte. An zweiter Stelle steht dann das Gespräch mit Ihrem Arzt. Er wird Sie über Diagnose- und Therapiemöglichkeiten informieren und Sie ggf. an entsprechende Fachärzte oder Institutionen überweisen.

Die gute Nachricht: Ist Ihre Atmungsstörung erst einmal diagnostiziert, gibt es eine Reihe effektiver Therapiemöglichkeiten, um Ihre Lebensqualität und Gesundheit zu bewahren und zu verbessern.

Quellen

  1. Website Lungenärzte im Netz: https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/schlafstoerungen/was-ist-schlafapnoe/ [zuletzt besucht am 06.06.2019].
  2. Website HNO-Ärzte im Netz: https://www.hno-aerzte-im-netz.de/krankheiten/schnarchen-schlafapnoe/entstehung-und-einteilung.html [zuletzt besucht am 06.06.2019].
  3. MSD Manual online „Zentrale Schlafapnoe“: https://www.msdmanuals.com/de-de/profi/lungenkrankheiten/schlafapnoe/zentrale-schlafapnoe [zuletzt besucht am 06.06.2019].
  4. AWMF-Leitlinien: Schnarchen des Erwachsenen – Diagnostik und Therapie: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/017-068.html [zuletzt besucht am 06.06.2019].
  5. S3-Leitlinie „Nicht-erholsamer Schlaf“: https://www.dgsm.de/downloads/aktuelles/S3%20LL%20Nicht-erholsamer%20Schlaf%20Kap%20SBAS%2011818_20_s2_Issue_PrintPDF%202017.pdf [zuletzt besucht am 06.06.2019].