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Das Pickwick-Syndrom

Bei stark übergewichtigen Menschen kann das Fettgewebe im Brust-, Bauch- und Halsraum die Atmung einschränken und die Atemwege einengen. Erfahren Sie mehr über Symptome, Diagnose und Therapie der Erkrankung.

Das Pickwick-Syndrom – auch unter Obesitas-Hypoventilationssyndrom (OHS) bekannt – kann man im weiteren Sinne als eine Sonderform der obstruktiven Schlafapnoe bezeichnen.

Sonderform insofern, dass

  • fast alle Patienten mit dem Pickwick-Syndrom auch an einer Schlafapnoe erkrankt sind
  • das Obesitas-Hypoventilationssyndrom nur Menschen mit ausgeprägtem Übergewicht (Adipositas) betrifft
  • es beim Pickwick-Syndrom auch im Wachzustand zu einer Störung der Atmung kommt

Adipositas (oder synonym Obesitas) heißt „Fettleibigkeit“. Von ihr spricht man, wenn der Body-Mass-Index (BMI) einer Person über 30 kg/m² Körperoberfläche liegt.

Der Name „Pickwick-Syndrom“ leitet sich von der Romanfigur des Kutschers Little Fat Joe in Charles Dickens Roman „Die Pickwickier“ ab, der sich dadurch auszeichnete, immer und überall zu schlafen [1].

Symptome des Pickwick-Syndroms

In zwei Sätzen könnte man zusammenfassen: Das Übergewicht führt dazu, dass die Lunge sich nicht richtig entfalten kann. Dies führt zu einem verminderten Gastaustausch, also der verringerten Aufnahme von Sauerstoff und Abgabe von Kohlendioxid.

Häufige Symptome des Pickwick-Syndroms sind:

  • ausgeprägte Tagesschläfrigkeit
  • Kurzatmigkeit
  • morgendliche Kopfschmerzen durch den Anstieg von Kohlendioxid im Blut
  • depressive Verstimmungen

Hinzu können Symptome kommen, die durch die in fast allen Fällen vorliegende obstruktive Schlafapnoe, deren Folgeerkrankungen, wie z. B. Bluthochdruck, oder die Adipositas selbst bedingt sind.

Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Patienten mit Pickwick-Syndrom haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfälle und Herzinfarkte. Durch das ungünstige Verhältnis von Sauerstoff und Kohlendioxid im Blut kommt es zu einer Engstellung der Blutgefäße in der Lunge. Dies führt zu einem erhöhten Widerstand, gegen den das Herz das Blut in die Lunge pumpen muss. Auf Dauer kann dies zu Veränderungen am Herzen mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz) führen.

Wie entsteht das Pickwick-Syndrom?

Beim gesunden Menschen läuft die Atmung in der Regel unbewusst und automatisch ab. Nerven, Muskeln und Lunge bewerkstelligen im unablässigen Zusammenspiel das Einatmen von frischer Luft und das Ausatmen von verbrauchter Luft. Stark übergewichtige Menschen haben auch im Bauch-, Brust- und Halsbereich vermehrt Fettgewebe. Um die Lunge zu entfalten, muss die Atemmuskulatur gegen einen erhöhten Widerstand arbeiten. Mit der Zeit erschöpfen sich die Muskeln. Es kann passieren, dass die Lunge nicht mehr ausreichend belüftet wird. Dies bezeichnet man als Hypoventilation.

Im Liegen bzw. im Schlaf wird dieser Effekt zusätzlich verstärkt, denn dann verschiebt das Bauchfettgewebe das Zwerchfell in Richtung Lunge und engt die Atemwege noch mehr ein.

Die Hypoventilation kann zu einem behandlungsbedürftigen Anstieg des Kohlendioxids im Blut, der sogenannten Hyperkapnie, führen.

Diagnose des Pickwick-Syndroms

Die Diagnose erfolgt anhand einer Erhebung der Krankengeschichte und einer körperlichen Untersuchung. Hierbei sind vor allem das Vorliegen einer bekannten obstruktiven Schlafapnoe und ein Body-Mass-Index (BMI) > 30 kg/m2 richtungsweisend. Auch im Blut lassen sich Hinweise auf das Vorliegen eines Pickwick-Syndroms finden, z. B. ein erhöhter Anteil von Kohlendioxid oder eine erhöhte Anzahl roter Blutkörperchen.

Therapiemöglichkeiten

An erster Stelle der Behandlung steht eine nachhaltige Gewichtsreduktion. Unterstützend können die Beschwerden durch eine nicht-invasive Beatmung (NIV) gelindert werden. NIV entlastet die Atemmuskulatur und verbessert damit die Belüftung der Lunge, der Atemwege und somit den Gasaustausch. Bei der NIV wird mit Überdruck ein individuell einstellbarer Luftstrom über eine Beatmungsmaske in die Luftwege geleitet.

Quellen

  1. DocCheck Flexikon „Pickwick-Syndrom“ [zuletzt besucht am 02.10.2019].
  2. S3-Leitlinie „Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen Kapitel: Schlafbezogene Atmungsstörungen bei Erwachsenen“ https://www.dgsm.de/downloads/aktuelles/S3-LL%20SBAS%20bei%20Erwachsenen%202017%20Kurzversion.pdf [zuletzt besucht am 02.10.2019].